Spezial-Ausgabe · 05. September 2026 elektrogenius.de
Spezial
Sondermeldung — die Lage im deutschen Stromnetz, kompakt erklärt
Titelthema
Sabotage am Stromnetz
Anfang September gab es mehrere Angriffe auf Umspannwerke und Höchstspannungsleitungen. Was bekannt ist, wie die Politik reagiert und was das für das Elektrohandwerk bedeutet.
02
Kritische Infrastruktur Schutz der Netze wird zur Kostenfrage
03
Digitalisierung Gesetzentwurf für Smart Meter und steuerbare Verbraucher
04
Branche Arbeitsmarkt dreht, E-Autos legen kräftig zu
Angriffe auf Umspannwerke

In Turnow-Preilack und Jänschwalde in Brandenburg brachten Unbekannte mit selbstgebauten Flugkörpern leitfähiges Material auf Höchstspannungsleitungen, um Kurzschlüsse auszulösen.

Mehr als ein Dutzend Abschussvorrichtungen wurden gefunden. In Bergheim bei Köln nahm RWE nach einem vorsätzlich herbeigeführten Kurzschluss fünf Braunkohleblöcke vom Netz.

Betroffen waren dort rund 4,2 Gigawatt. Weitere Verdachtsfälle gab es in Dormagen, im Raum Aachen und in Ganderkesee.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Die bekannten Fälle
Turnow-Preilack und Jänschwalde
Bergheim bei Köln, rund 4,2 GW
Dormagen, Aachen, Ganderkesee
Seite 02
Quelle: Polizei- und Behördenangaben, Medienberichte
Wer schützt das Stromnetz?

Das Bundesinnenministerium betont, dass für den Schutz der Anlagen zuerst die Betreiber verantwortlich sind und der Staat sie dabei unterstützt.

Fachleute rechnen damit, dass ein deutlich höherer physischer Schutz die Kosten der Betreiber vervier- bis versechsfachen könnte: Netze gegen Drohnen, verstärkte Umzäunungen, Videoüberwachung.

Brandenburg plant ein 360-Grad-Sicherheitszentrum, in dem Informationen von Polizei, Verfassungsschutz und Katastrophenschutz zusammenlaufen. Ein Beleihungsgesetz soll Betreibern erlauben, bestimmte Maßnahmen selbst zu übernehmen.

Was auf Betreiber zukommt
Drohnenabwehr und Videoüberwachung
Verstärkter Zaun- und Zutrittsschutz
Kosten laut Experten vier- bis sechsfach
Seite 03
Quelle: BMI, Land Brandenburg, Branchenberichte
Smart Meter und steuerbare Verbraucher

Ein Bündnis aus 17 Unternehmen, die Energiewende-Digitalisierungs-Allianz, hat Anfang September einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Er soll die Digitalisierung und Standardisierung der Stromnetze beschleunigen.

Kern sind klare Vorgaben für den flächendeckenden Smart-Meter-Rollout und die konsequente Durchsetzung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen.

Betroffen sind vor allem Wärmepumpen, Wallboxen und Heimspeicher. Dazu kommen mehr digitale und standardisierte Schnittstellen zwischen Netzbetreibern, Erzeugern und Verbrauchern.

Die Kernpunkte
Flächendeckender Smart-Meter-Rollout
Steuerbare Wärmepumpen und Wallboxen
Standardisierte Schnittstellen im Netz
Seite 04
Quelle: EDA-Gesetzentwurf, Branchenberichte
Erstmals seit drei Jahren wieder mehr Einstellungen

Der ZVEI meldet eine Trendwende: In der Elektro- und Digitalindustrie gibt es erstmals seit drei Jahren wieder mehr Neueinstellungen als Abgänge.

Die Zahl der offenen Stellen ist seit Jahresbeginn um rund ein Viertel auf knapp 10.000 gestiegen. Ende des ersten Halbjahres beschäftigte die Branche etwa 865.000 Menschen.

Gleichzeitig zeigt Bayern, dass die Lage je nach Teilbranche sehr unterschiedlich ist: In der Metall- und Elektroindustrie insgesamt fielen dort im ersten Halbjahr rund 11.000 Stellen weg.

Die Zahlen
Knapp 10.000 offene Stellen
Rund 865.000 Beschäftigte
Bayern: minus 11.000 in der M+E
Seite 05
Quelle: ZVEI, bayme vbm
E-Autos legen zu, Strompreis fällt

Im August wurden fast 69.000 reine Elektroautos neu zugelassen, rund 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil an allen Neuzulassungen lag bei 32,4 Prozent.

Am Spotmarkt fiel der deutsche Strompreis Anfang September zeitweise um rund 23 Prozent auf etwa 97 Euro je Megawattstunde, getrieben von einer stark steigenden Windstromerzeugung.

Für das Handwerk heißt das: mehr Ladeinfrastruktur, mehr netzdienliche Steuerung und mehr Bedarf an Leistungselektronik und Speichern. Volatile Preise erhöhen den Anreiz für Lastmanagement.

Zum Merken
69.000 E-Autos im August, Anteil 32,4 Prozent
Spotpreis rund 97 Euro je MWh
Speicher und Lastmanagement gewinnen
Seite 06
Quelle: KBA-Zahlen, Strommarktdaten
Was das für dich bedeutet
Schutztechnik wird gefragter
Zutrittsschutz, Videotechnik, Drohnenabwehr und redundante Netztechnik rücken auf der Prioritätenliste der Betreiber nach oben. Für Betriebe entstehen daraus neue Aufträge.
Auffälligkeiten sofort melden
Beschädigte Zäune, aufgebrochene Stationen oder Fremdkörper an Leitungen und Masten gehören sofort an Betreiber und Polizei gemeldet. Niemals selbst anfassen oder entfernen.
Steuerbarkeit von Anfang an mitplanen
Wer Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher installiert, sollte Zählerplatz, Steuerbarkeit und Kommunikationsanbindung direkt in der Planung berücksichtigen.
Gute Karten für Fachkräfte
Knapp 10.000 offene Stellen und wieder wachsende Beschäftigung in der Elektro- und Digitalindustrie stärken die Verhandlungsposition von Azubis und Gesellen.
Bleib auf dem Laufenden
Das Wochenblatt kommt jeden Sonntag. Wenn zwischendurch etwas Großes passiert, gibt es eine Spezial-Ausgabe wie diese.
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